Die Wacholderheide: eine Landschaft, die Schafe gemacht haben
Offene Hänge, dunkle Wacholdersäulen, dazwischen Disteln und Magerrasen. Was eine Wacholderheide ist, woher sie kommt und wo sie am Albtrauf rund um den Wasserberg liegt.

Eine Wacholderheide ist kein Wald und keine Wiese, sondern eine offene Weidelandschaft, deren Bild der Wacholder prägt. Wikipedia beschreibt sie als Sammelbegriff für heideartige Lebensräume, in denen unabhängig von der Pflanzengesellschaft der Wacholder das Landschaftsbild bestimmt. Darunter liegen Mager- oder Trockenrasen, Halbtrockenrasen oder Zwergstrauchheiden.
Woran du eine Wacholderheide im Gelände erkennst, folgt direkt aus dieser Beschreibung:
| Merkmal | Was du siehst |
|---|---|
| Gehölz | einzelne Wacholderbüsche, kein geschlossener Wald |
| Boden | kurzer, lückiger Rasen auf trockenem, magerem Grund |
| Lage | oft steile, trockene Hänge weit abseits der Orte |
| Begleiter | Disteln, Küchenschellen und andere Pflanzen, die das Vieh verschmäht |
Entstanden durch Beweidung
Wacholderheiden sind keine Urlandschaft. Sie entstanden laut Wikipedia in den letzten Jahrhunderten durch die Beweidung mit Schafen, Ziegen oder Rindern, und zwar auf trockenen, nährstoffarmen, oft steilen Hängen, die kaum eine andere Nutzung zuließen.
Die Tiere fraßen alles, was schmeckt. Stehen blieben die stacheligen und giftigen Pflanzen:
- der Wacholder selbst
- die Silberdistel
- die Küchenschelle
- die giftige Schwalbenwurz
So entstand das typische Bild aus kurzem Rasen und einzelnen Wacholderbüschen. Der Schäfer stach früher mit der Schäferschippe die stacheligen Pflanzen aus, damit die Weide nicht zuwuchs.
Artenreich und geschützt
Wikipedia nennt Wacholderheiden «die artenreichsten Biotope in Mitteleuropa», reich an Insekten und besonders an Schmetterlingen. Die meisten größeren Wacholderheiden in Deutschland stehen heute als Naturschutzgebiet oder Naturdenkmal unter Schutz.
| Schutzebene | Was gilt |
|---|---|
| Europarecht | FFH-Richtlinie, Anhang I, Lebensraumtyp 5130 (laut Wikipedia) |
| Schutzgebiete | viele als Naturschutzgebiet, oft zugleich FFH-Gebiet |
| Pflege | Beweidung durch Schäfer, gefördert aus Naturschutz- oder Landwirtschaftsprogrammen, dazu Mahd |
Das Problem ist ihr Ursprung. Seit die Wanderschäferei zurückgeht, wachsen viele Heiden wieder zu Wald zu oder wurden mit Kiefern und Fichten aufgeforstet. Offen bleiben sie nur, wenn jemand sie beweidet oder mäht.
Wacholderheiden am Wasserberg
Rund um den Wasserberg gehören Wacholderheiden zum Landschaftsbild. Der Schwäbische Albverein beschreibt die Lage seines Wanderheims «inmitten schöner Albwälder, die von kleinen Wacholderheiden unterbrochen werden». Das Naturschutzgebiet Haarberg-Wasserberg nennt als Schutzzweck ausdrücklich die «landschaftsbestimmende Wacholderheide mit Kalkmagerrasen, Trockenrasen, Hangschutthalden, Trockengebüsch».
Den Gegensatz dazu bilden die Märzenbecher. Die Heide ist trocken und mager, die Frühlings-Knotenblume braucht feuchte, nährstoffreiche Schluchtwälder wie im Autal bei Bad Überkingen. Beide Lebensräume liegen am selben Albtrauf.
Auf der Heide gilt, was in jedem Schutzgebiet gilt: auf den Wegen bleiben, nichts pflücken, Hunde nicht frei laufen lassen, wo die Verordnung es verbietet, und Abstand zu weidenden Schafen halten. Wege und Ziele rund um den Berg findest du unter Wandern am Wasserberg, weitere Lebensräume unter Natur am Albtrauf.
Häufige Fragen
Was ist eine Wacholderheide?
Eine offene, meist trockene und magere Weidelandschaft, deren Bild der Wacholder prägt. Darunter wachsen Mager-, Trocken- oder Halbtrockenrasen. Entstanden ist sie durch jahrhundertelange Beweidung.
Warum wächst dort ausgerechnet Wacholder?
Weil Schafe, Ziegen und Rinder ihn wegen seiner Stacheln stehen ließen, ebenso Silberdisteln, Küchenschellen und die giftige Schwalbenwurz. Alles Schmackhafte wurde kurz gefressen.
Warum sind Wacholderheiden geschützt?
Sie zählen laut Wikipedia zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas, besonders für Insekten und Schmetterlinge. Europarechtlich sind sie als Lebensraumtyp 5130 der FFH-Richtlinie geschützt, viele zusätzlich als Naturschutzgebiet.
Was passiert ohne Schafe?
Die Heide wächst nach und nach zu Wald zu. Deshalb werden viele Flächen heute gezielt beweidet oder gemäht.
Wo gibt es Wacholderheiden am Wasserberg?
Im Naturschutzgebiet Haarberg-Wasserberg, dessen Schutzzweck eine landschaftsbestimmende Wacholderheide nennt, und als kleinere Flächen in den Wäldern rund um den Berg, wie sie der Albverein beschreibt.